Eine normale Geburt scheint es nicht mehr zu geben. Diesen Eindruck hat
man, wenn man die für Nichtmediziner gedachte Literatur anschaut. Propheten
der Geburtshilfe, Gurus der Fortpflanzung tauchen auf und überschwemmen
interessierte Frauen und Männer mit Informationen über die angeblich
allein richtigen Wege zu glücklicher Elternschaft. Mit teilweise wunderschönen
Bildern und mitreißenden, sehr logisch klingenden Argumenten wird
für die neuen Ideen geworben, oft sogar mit renommiertem Namen und
eindrucksvollem Titel. Der Tenor der Verkündigung lautet: Zurück
zur Natur, schaut die Tiere, die Naturvölker an, widersprecht Ärzten
mit ihren bevormundenden, die Frauen einschränkenden Vorstellungen.
Gefordert wird, die gebärenden Frauen sollten entscheiden, wie sie
ihr Kind zur Welt bringen wollen, sie sollten also die Gebärstellung
selber wählen, ob hockend, stehend, lehnend, jedenfalls nicht liegend,
die Schwerkraft solle genutzt werden, das Kind solle "sanft" zur
Welt kommen, es solle kein Licht die Augen reizen, kein Geräusch erschrecken,
keine Temperaturschwankung schocken. Die Mutter solle auf Schmerzmittel
verzichten, einen Dammschnitt ablehnen, wenn möglich überhaupt
die Klinik meiden und zu Hause ihr Kind zur Welt bringen, in der vertrauten
Umgebung ihrer Wohnung. Das allerbeste sei die Geburt unter Wasser: Das
Kind solle sanft und still ins Wasser gleiten. Unabgenabelt solle es auf
dem Bauch der Mutter liegen, um den Kontakt mit ihr nicht abrupt abzubrechen.
Der Vater solle so intensiv wie möglich an den Geburtsereignissen teilnehmen,
um so die Partnerschaft mit seiner Frau zu festigen und eine tiefe Beziehung
zu seinem Kind zu gewinnen.
Was ist denn dran, an diesen so vernünftig klingenden Forderungen?
Nichts ist dran! Sie sind allesamt mehr oder weniger falsch, beruhen auf
Wunschdenken, Fehldeutungen, entspringen vermutlich zum Teil der Eitelkeit,
eine neue Idee in die Welt gebracht zu haben, die möglichst mit dem
eigenen Namen verbunden werden soll. Es ist auch finanziell einträglich,
wenn man eine neue Idee hat! Man kann Geräte verkaufen (Gebärstühle!),
Kurse abhalten, Bücher schreiben, und man hat in diesen Jahren ein
zahlreiches Publikum und Beifall, wenn man Ärzte und Kliniken in Frage
stellt.
An fünf markanten Forderungen und Begriffen der alternativen Geburtshilfe
will ich meine provozierend klingende Behauptung, die alternativen Vorstellungen
seien falsch, verdeutlichen:
1. "Schaut auf die Natur: Säugetiere und Naturvölker
gebären im Stehen!"
Die so reden, können nicht sehen und nicht nachdenken! Kein Säugetier
hat je sein Kind im Stehen bekommen. Es müßte sich, um im menschlichen
Sinne zu stehen, auf die Hinterbeine stellen, also "Männchen machen".
Wenn zum Beispiel eine Stute ein Fohlen bekommt, ist ihr gebärender
Körper waagerecht, horizontal, nicht aufrecht. Der Geburtsweg verläuft
vom durchhängenden Bauch sogar aufwärts zum Becken! Kühe,
Pferde und andere Herdentiere sind in der freien Natur von Raubtieren bedroht
und müssen ständig fluchtbereit sein. Während des Geburtsvorganges
sind sie besonders gefährdet, so bleiben sie auf den vier Beinen, aber
nicht aufrecht auf den Hinterbeinen! Alle Tiere, die es sich leisten können,
liegen am Boden, wenn sie ein Baby bekommen. So wie die Menschen, entspannen
sich Tiere am besten liegend, und sie wissen instinktiv, daß Liegen
die beste Position ist, um die Geburt am schonendsten für sich und
das Kind zu gestalten. Wollen wir also die Natur zum Vorbild nehmen, müssen
wir liegen, so wie vernünftige Hebammen und Ärzte es immer empfehlen.
Bei Naturvölkern ...
Das Vorbild der "Naturvölker", unserer Vorfahren? Schrecklich
sind die Bilder, die uns die "sanften Geburtshelfer" als Beispiel
für aufrechte Geburtshaltung zeigen. Bilder von Geburtsszenen bei Indianern
und Asiaten: Furchterregende Torturen werden gezeigt von Frauen, die an
Pfählen oder Bäumen hochgezogen, mit Strikken am Bauch gezerrt
werden, pressende und drückende "Helfer" in Aktion. Das sind
schreckliche Dokumente verzweifelter Menschen, die versuchen, wenigstens
die Mutter bei schlimmer Geburtssituation zu retten. Wie hoch mag die Sterblichkeit
bei dieser "Geburtshilfe" gewesen sein? Wir Heutigen können
Frauen und Kindern durch einen Kaiserschnitt helfen.
Viele "Naturvölker" kannten kein Bett in unserem Sinn.
Man ruhte auf Matten, Fellen oder einfach auf dem blanken Boden. Hühner,
Hunde, Katzen, Schweine liefen überall umher. Ungeziefer, Pilze, Bakterien,
Parasiten, Exkremente fanden sich auf demselben Boden. "Weg vom Boden"
war vermutlich der einzige Weg, Kindbettfieber, vereiterte Geburtswunden
und Infekte bei Kindern und Müttern zu verhindern. Liegen am Boden
war viel zu gefährlich. Hocken oder Stehen bei sogenannten Naturvölkern
ist also reine Notlösung, das kleinere Übel. Wir haben heute mit
unserer Geburtshilfe überlebende Kinder und Mütter, und zwar gesunde!
... herrschen barbarische Sitten.
Im übrigen hört die Begeisterung für das Vorbild der so
nachahmenswerten Naturvölker in anderen Bereichen sehr schnell auf:
Todesstrafe für Ehebruch hätte bei uns vermutlich entvölkernde
Auswirkungen, das In-die-Länge-Wickeln kindlicher Köpfe, Verkrüppeln
von Füßen, Abschneiden der Klitoris, Durchbohren von Penis und
Unterlippen, das Mästen junger Frauen in Käfigen, damit sie dem
Häuptling gefallen, das alles sind Vorbilder von "Naturvölkern"!
Das alles und viel mehr wird bei uns kaum Nachahmungsbegeisterung wecken.
Wie weit ist es also her mit dem, was uns "Naturvölker" an
Vorbildern anbieten?
Was heißt denn auch Naturvölker? Das alles sind Völker
mit einer oft Jahrtausende alten Kultur, vergangene Kulturvölker. Menschen
entwickeln in Kulturen oft für andere nicht nachahmenswerte Verhaltensweisen.
Es stellt sich also heraus, daß uns die "sanften" alternativen
Geburtspropheten mehr als unbrauchbare Vorbilder anbieten.
Zwischen Stehen und Liegen besteht ein großer Unterschied. Im Stehen
ist eine Entspannung nicht möglich, da die aufrechte Körperhaltung
nur durch Anspannung der Beinmuskulatur sowie der gesamten Rumpfmuskulatur
möglich ist. Diese Muskulatur verbraucht Blut; das bedeutet, daß
ein Teil der Zirkulation durch die beanspruchte Muskulatur fließt
und dort, wo sie gebraucht wird, nicht zur Verfügung steht. Im Liegen
ist die Durchblutung des kleinen Beckens bis zu 30 % besser. Wie schlecht
Entspannung im Stehen möglich ist, zeigen Untersuchungen: In dieser
Position können Frauen ihre Harnblase beim Wasserlassen nicht ganz
entleeren. Der Urinfluß durch die Harnröhre verringert sich um
21 %, und der "Restharn", das ist die Harnmenge, die unbeabsichtigt
gegen den Willen der Frau in der Blase zurückbleibt, steigt gegenüber
einer Entleerung in entspannter Haltung um 150 %.
Mehr Blutverlust im Sitzen
Selbst noch die Geburt im Sitzen hat dramatische Nachteile: Der Blutverlust
war in einer Vergleichsstudie mit durchschnittlich 275 ml deutlich höher
als bei liegend entbundenen Frauen mit 204 ml! Die nachgeburtlich auftretenden,
als Komplikation zu wertenden Massenblutungen über 500 ml waren bei
der sitzend entbundenen Frau vierfach erhöht. Keine Verbesserung brachte
das Sitzen bei der Häufigkeit von Dammrissen, Dammschnitten, bei der
Geburtsdauer, geburtsbegleitender kindlicher und mütterlicher Erkrankung,
kindlicher Blutsäuerung und operativen Zusatzeingriffen. Es muß
nicht lange darüber gegrübelt werden, welche Körperhaltung
der wehenden Mutter für das Kind die bessere ist.
2. "Das Kind soll nach der Geburt unabgenabelt auf Bauch oder
Brust der Mutter ruhen!"
Auch das ist Unsinn! Niemals kommt diese Situation in der Natur vor! Bei
Tieren, die auf allen Vieren stehen, fällt das Junge auf den Boden,
die Nabelschnur reißt durch. Liegende Tiere stehen sogar auf und reißen
die Nabelschnur auf diese Weise ab. Oder sie drehen sich sofort nach der
Austreibung um und durchbeißen die Nabelschnur. Niemals liegt das
unabgenabelte Neugeborene in der Natur höher als seine Nachgeburt.
Das einzige, was dadurch zustande kommen könnte, wäre ein Ablaufen
von kindlichem Blut der Schwerkraft folgend in Richtung Nachgeburt: Kein
Vorteil für das Kind. Spätestens mit dem ersten Schrei, also dem
Ingangkommen der Atmung, schaltet der Kreislauf um auf Durchstrom durch
die Lunge. Das ovale Loch im Herzen, das bisher den Blutstrom durch die
Nachgeburt ermöglichte, an den nichtentfalteten Lungen vorbei, hat
sich geschlossen. Ein weiteres Pulsieren der Nabelschnur bedeutet ja keineswegs
ein Fließen zum Herzen des Kindes, sondern ein Pumpen vom Kind weg
in Richtung Nachgeburt. Einen Nutzen hat das Kind jedenfalls nicht von der
intakten Nabelschnur. Im selben Augenblick, in dem das Kind die Gebärmutterhöhle
verläßt, zieht sich deren Muskulatur über dem freigewordenen
Raum zusammen. Damit beginnt aber in diesem Augenblick die Ablösung
der Nachgeburt von der Wand der Gebärmutter: Die Wand zieht sich verkleinernd
zusammen, während die Nachgeburt ihre Größe behält.
Ein Stoffaustausch über die Nabelschnur ist nach etwa einer Minute
für das Kind nicht mehr möglich. Gesund überleben kann es
nur, wenn sofort Atmung und neuer Kreislauf in Gang kommen! Die Frühabnabelung
hilft dem Kind, das wissen instinktiv auch die Tiere und nabeln ihre Kinder
sofort ab. Auch hier macht uns die Natur gerade das Gegenteil von dem vor,
was uns die "Sanften" als nachahmenswert aufdrängen wollen.
3. "Im Dämmerlicht sollte das Kind ruhig und entspannt mit
geöffneten Augen daliegen. So zeigt sich der sanfte Übergang in
diese Welt."
Diese Vorstellung und Forderung geht so weit an Kenntnissen von und Vorstellungen
über Geburtsabläufe vorbei, daß es lebensbedrohliche Ausmaße
hat! Man stelle sich ein gesundes Baby vor, das satt und ruhig in seinem
Bettchen schläft. Plötzlich wird es gepackt, gedrückt, man
nimmt ihm schließlich jede Bewegungsmöglichkeit und preßt
es viele Minuten lang durch ein äußerst enges Rohr. Ein Kind,
das danach nicht laut schreiend protestiert, sondern mit geöffneten
Augen still daliegt, ist ein Kind in tiefem Schock, eventuell ein sterbendes
Kind. Erfahrene Hebammen und Ärzte fürchten diesen Zustand. Alles
muß getan werden, um ihn so schnell wie möglich zu überwinden.
Nach der Austreibung des Kindes aus der Gebärmutter kommt alles darauf
an, Atmung und Kreislauf des Neugeborenen anzuregen und zu stabilisieren,
denn im selben Moment, in dem das Kind die schützende Höhle verläßt,
beginnt seine Versorgung über die Nabelschnur zu versiegen. Die Natur
tut alles, um die ehemals das Kind über die Nabelschnur versorgenden
Gefäße der Mutter zu schließen, um Blutverlust für
die Mutter zu verhindern. Das geschieht, ebenso wie die Nachgeburtsablösung,
durch Zusammenziehen der Gebärmutter-Muskeln und damit durch Zudrücken
der Gefäße. Nahezu schlagartig versiegt also die Versorgung für
das Kind. So ist der erste, möglichst laute, kräftige Schrei des
Neugeborenen, der nur möglich ist nach tiefem Einatmen, das sichere
Zeichen dafür, daß es dem Kind gelungen ist, sich umzustellen.
Dabei hilft dem Kind die natürliche Fähigkeit, über einen
Hautreiz Atmung und Kreislauf anzuregen. Gerade die Naturheilkundigen rühmen
immer wieder diese Möglichkeit, nämlich durch kalte Abgüsse,
Wechselbäder, Massagen, Wassertreten usw. Jeder, der unter einen kalten
Wasserstrahl tritt, erlebt, wie geradezu zwanghaft ein tiefer Atemzug folgt
und das Herz klopft. Und gerade dieser absolut natureigene, hochwillkommene
Mechanismus setzt rettend für das Kind ein, wenn es feucht aus der
warmen Mutterhöhle in die kühlere Außenluft seiner neuen
Welt rutscht: Ein tiefer Atemzug folgt diesem lebensfördernden Kältereiz.
Die "Sanften" aber haben das nicht begriffen, die das Kind in
eine gleichwarme Umgebung gleiten lassen wollen!
Alles, was das zentrale Nervensystem anregt, hilft im Augenblick der Geburt
dem Kind. Dazu gehören auch das Licht und Geräusche! Und nur dasjenige
Kind, welches darauf reagiert, z. B. durch Blinzeln, zeigt, wie gut es ihm
geht.
Und wieder macht uns die Natur gerade das Gegenteil von dem vor, was uns
die "Alternativen, Sanften" einreden. Alle höheren Tiere
werden draußen geboren, bei jedem Wetter, in die Luft, die Sonne,
den Regen, die kalte Nacht. Alles das sind über das Sinnesorgan Haut
die Atmung und den Kreislauf anregende Reizsituationen. Der helfende Hautreiz
wird von den Tiermüttern noch zusätzlich genutzt. Sie lecken ihre
Babys kräftig ab, rollen und schieben sie hin und her, bis sie sich
bewegen und atmen!
4. "Hausgeburt bewahrt die Frau vor bedrohlich ängstigender
Geburtstechnik. Die gewohnte Umgebung macht sie ruhig und glücklich!
Holland zeigt, wie gut Hausgeburtshilfe ist!"
Diese Aussage ist falsch und ungerecht! Das Beispiel Holland aber ist
ein solches gegen Hausgeburt. Holland ist gerade wegen seiner noch
verbreiteten Hausgeburtshilfe deutlich hinter unseren deutschen Erfolgen
zurückgeblieben. Eben weil wir die Haus-geburtshilfe weitestgehend
abgeschafft haben, sind wir viel besser geworden als die Holländer:
Bei uns sterben und erkranken weniger Kinder und Mütter bei der Geburt!
Die holländischen Ärzte sind nicht einverstanden, wenn ihr Land
als gutes Beispiel für die Hausgeburtshilfe mißbraucht wird.
Denn in denjenigen holländischen Bezirken, in denen die Hausgeburtshilfe
ab- und die Klinikgeburtshilfe zunimmt, bessern sich die Verhältnisse.
Deutschland hat die Holländer seit 1980 überholt! Es darf nicht
übersehen werden, daß eine frei tätige Hebamme an der Hausgeburtshilfe
verdient und durch sie Arbeit findet. Das erklärt viel!
Mindestens jede 9. Geburt mit problemlosem Schwangerschaftsverlauf endet
in akuten Geburtsrisiken. Solche Risiken sind: starke Blutungen, Fieber
unter der Geburt, krankhafte Wehen oder "schlechte" kindliche
Herztöne, überhöhte kindliche Blutsäuerung, Nabelschnurvorfall,
drohender oder eingetretener Gebärmutterriß.
Eine Berliner Studie ergab, daß jede 5. Frau, für die eine
Hausentbindung geplant war, als Notfall in eine Klinik gebracht werden mußte.
Die schlechten geburtshilflichen Ergebnisse werden dann aber ungerechterweise
der Klinikstatistik und nicht der Hausgeburtshilfe zugerechnet!
Eine Hebamme oder ein Arzt, der Hausgeburtshilfe propagiert, zeigt dadurch,
daß er keine ausreichende geburtshilfliche Ausbildung besitzt, denn
niemand, der solide Erfahrung hat, befürwortet ein freiwilliges, vermeidbares
Risiko für Kind und Mutter. Wer das doch tut, ist verantwortungslos.
Was Arzt und Hebamme garantieren müssen
Sollte ein Arzt einer Schwangeren eine Hausentbindung anbieten, bitte
ich die werdende Mutter dringend, sich eine etwa wie unten vorgestellte
Bescheinigung unterschreiben zu lassen! Sie wird, wenn schon nicht an sich,
so doch an ihr Kind denken. Bei Eintritt eines vermeidbaren Schadens sollte
für das arme Kind finanziell gesorgt sein. Das muß durch den
verschuldenden Arzt geschehen. Ein Richter kann leichter zugunsten des Kindes
entscheiden, wenn die Mutter sich abgesichert hat.
1. Heute wird gefordert, daß jede Geburtshilfe ausübende
Instanz mindestens 300, besser 1.000 Geburten im Jahr als Erfahrungsnachweis
erbringt. Fragen sollte die werdende Mutter also rechtzeitig, wie viele
Hausgeburten der Arzt im Jahr durchführt!
2. Heute wird kein Klinikbau mehr genehmigt, bei dem die Entbindungsstation
über einen Fahrstuhl oder lange Gänge vom Operationsraum (Kaiserschnitt)
getrennt ist, damit im Notfall in kürzester Zeit dem Kind und der Mutter
geholfen werden kann. Der Hausgeburtsarzt sollte also Auskunft geben, in
welcher Zeit er bei Notfall den Beginn des Kaiserschnittes garantiert und
wo!
3. Der Arzt muß sich schriftlich bestätigen lassen, daß
er die Hausgebärende ausführlichst über die möglichen
Risiken für Mutter und Kind aufgeklärt hat!
4. Der Arzt muß schriftlich mitteilen, wo er die außergewöhnliche
Ausbildung und Erfahrung, die für die Bewältigung der hochriskanten
Hausgeburtsleitung von ihm zu fordern ist, erworben hat, denn auch eine
Ausbildungsstätte haftet für ihre Qualität, besonders aber
für die Einhaltung der Ausbildungsgenehmigungsbestimmungen.
5. Der Arzt sollte sich schriftlich verpflichten, während der
Gesamtdauer der Geburt (Eröffnung und Austreibung) bei der Gebärenden
zu bleiben.
6. Der Arzt sollte schriftlich bestätigen, daß er die Wohnung
der betreuten Frau besichtigt und sich über die Durchführbarkeit
einer Geburt informiert hat
7. Der Arzt sollte schriftlich bestätigen, daß er die von
der Patientin ausgewählte Hebamme persönlich und beruflich kennt
und eine Zusammenarbeit mit ihr befürwortet.
8. Der Arzt sollte schriftlich angeben, welche Alternative zu einer
Hausgeburt in der Umgebung der Patientin besteht, er soll also die nächsterreichbaren
Geburtskliniken mitteilen. Nur so hat eine Frau eine Auswahlchance und wird
darauf aufmerksam gemacht, welchen Weg es für sie und ihr Kind sonst
noch gibt
9. Der Arzt soll schriftlich kurz begründen, warum er von den
vorgenannten Klinikalternativen abrät und die Hausgeburt vorschlägt.
Die Durchführung einer solchen mit den Patienten geführten Diskussion
über Alternativen und die Begründung der Auswahl ist heute eine
übliche und begrüßenswerte Forderung der Rechtsprechung
an uns Ärzte!
Selbstverständlich gelten alle diese Forderungen auch für die
Hebamme. Nur so wird es bei einem eventuellen Schadenersatzanspruch für
einen Richter möglich sein, eindeutig und schnell im Interesse für
Mutter und Kind zu entscheiden.
5. Die "Unterwassergeburt" schließlich ist der absolute
Höhepunkt an Unvernunft und Rücksichtslosigkeit gegen das Kind.
Die Unterwassergeburt ist eine kriminelle Tat und bedeutet das Risiko
einer Kindstötung - zumindest das Risiko einer Beschädigung des
Kindes. Sie ist eine Perversion im Sinne des Wortes.
Kein luftatmendes Wesen in der Natur schneidet sein Neugeborenes von der
Luftzufuhr ab und das ausgerechnet in dem Augenblick, in dem es dringend
den ersten Atemzug braucht. Was man einem unter Wasser geborenen Kind antut,
kann den Beteiligten nur dadurch klargemacht werden, daß man sie allesamt,
Mutter, Hebamme, Arzt und werdenden Vater ebensolange unter Wasser taucht,
wie man es dem Kind zumutet. Selbst Wale heben ihr Neugeborenes sofort nach
der Geburt, die ganz nahe der Oberfläche stattfindet, mit dem Atemloch
hoch an die Luft, damit es nicht ertrinkt.
Möglichkeiten, es besser zu machen
Versicherungen und Gutachter sollten in Zukunft überprüfen,
ob eventuell bei kindlichen Schädigungen "alternative Geburtsmedizin",
also vermeidbares Risiko im Spiel war, um dann durch Übertragung von
Zahlungsansprüchen auf die Verantwortlichen unzumutbare Belastungen
von der Gemeinschaft der Versicherungsnehmer fernzuhalten, zu der sie, die
Versicherungen, verpflichtet sind.
Häufig klagen Mütter und Väter, daß bei kindlichen
Schäden, deren Ursache sie, die Eltern, in Fehlern bei der Geburtsleitung
vermuten, keine Versicherungszahlungen für das geschädigte Kind
erfolgen. Solche elterlichen Forderungen sind dann nicht berechtigt, wenn
Hebammen und Ärzte alles getan haben, um nach heutigem Können
und bestmöglichem Überwachungsstandard Sicherheit für Mutter
und Kind zu gewährleisten. Niemals wird hundertprozentige Unversehrtheit
zu erreichen und zu garantieren sein. Beginnendes menschliches Leben ist
zerbrechlich und zart, und das Prinzip der Auslese, wie es in der Natur
verankert ist, kann kein noch so tüchtiger Arzt vollkommen ausschalten.
Ganz anders ist das zu beurteilen, wenn Eltern, Hebammen und Ärzte
freiwillig und ohne Notwendigkeit mögliche sichere Wege verlassen und
Risiken akzeptieren! Hier werden mit solchen Entscheidungen auch Verpflichtungen
übernommen!
Einzelne Frauen empfinden eine Art Platzangst, wenn sie sich während
der Wehen auf dem Kreißbett festgehalten fühlen. Man sollte sie
möglichst nicht dazu zwingen. Eine aufmerksame Hebamme wird bald merken,
ob es Angst und Unruhe ist, die die Frau umtreiben, oder ob sie sich wirklich
umhergehend besser fühlt. Auf jeden Fall sollte man ihr erklären,
warum es günstiger ist, sich im Liegen zu entspannen. In einigen Kliniken
ist es möglich, Telemetriergeräte zu benutzen, das sind Geräte,
mit denen auch im Umhergehen auf dem Funkweg ohne Kabel die Meßdaten
der kindlichen Herztätigkeit und der Wehen aufgezeichnet werden können.
Den Frauen die Angst nehmen
Nein, was wir ganz sicher nicht brauchen, damit es der werdenden Mutter
und dem Kind gutgeht, ist "alternative Geburtshilfe" in irgendeiner
Form. Wir brauchen überhaupt keine neue Geburtshilfe, denn die existierende
ist von höchster Qualität. Was wir brauchen und was sich auch
längst vollzogen hat, ist die alte Geburtshilfe in erneut wieder den
Frauen zugewendeter Form. Und das meine ich genauso, wie es die deutsche
Sprache ausdrückt: ein den gebärenden Frauen zugewendeter Blick
und nicht gebannt auf die Apparate. Unkenntnis und Ängste der Frauen
müssen verringert werden. Das geht nur mit starker Zuwendung. Vertrauen
kann man schon dadurch erreichen, daß man der werdenden Mutter das
ärztliche Tun erklärt und begründet. Man muß sich mehr
Zeit nehmen, hinschauen und zuhören, und das alles muß gestützt
sein auf eine immer weiter verbesserte Geburtstechnik, und ich meine gestützt
auf sie und nicht dominiert von ihr.